Neue UK-Biobank-Studie sorgt für Aufsehen: Sonnencreme mit massiv erhöhtem Hautkrebsrisiko assoziiert
- info618880
- 5. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Eine große wissenschaftliche Studie auf Basis der UK Biobank mit über 470’000 Menschen sorgt derzeit international für Diskussionen. Die Forscher analysierten genetische Faktoren, UV-Verhalten und Hautkrebsdaten – und kamen zu einem Ergebnis, das viele Menschen überraschen dürfte:
Menschen, die besonders häufig Sonnencreme verwenden, hatten in der Analyse deutlich höhere Hautkrebsraten.
Die Studie wurde 2023 im Fachjournal Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention veröffentlicht:
„Gene-environment analyses in a UK Biobank skin cancer cohort identifies important SNPs in DNA repair genes that may help prognosticate disease risk“
Die Zahlen der Studie
Die Forscher analysierten vier verschiedene Hautkrebsarten:
Basalzellkarzinom (BCC)
Plattenepithelkarzinom (cSCC)
Melanoma in-situ
Invasives Melanom
Besonders brisant:
Die Studie berichtet bei häufigem Gebrauch von Sonnencreme („frequent use of sunscreen“) folgende statistische Risikoerhöhungen:
Basalzellkarzinom: RR = 2.40 → ca. +140 %
Plattenepithelkarzinom: RR = 2.26 → ca. +126 %
Melanoma in-situ: RR = 3.58 → bis +258 %
Invasives Melanom: RR = 3.92 → bis +292 %
Das bedeutet:
Die stärksten statistischen Zusammenhänge fanden sich ausgerechnet bei jenen Personen, die besonders häufig Sonnenschutz verwendeten.
Die Studie spricht selbst von einem „paradoxen Ergebnis“
Die Autoren schreiben wörtlich:
„Surprisingly at first, frequent use of sunscreen was greatly associated with all cancers.“
Auf Deutsch:
„Überraschenderweise war häufiger Gebrauch von Sonnencreme stark mit allen Hautkrebsarten assoziiert.“
Noch deutlicher wird die Studie an anderer Stelle:
„Frequent use of sun protection and limited outdoor exposure show moderately-to-strongly increased risk of all skin cancers.“
Übersetzung:
„Häufige Verwendung von Sonnenschutz sowie begrenzte Outdoor-Exposition zeigten ein moderat bis stark erhöhtes Risiko für alle Hautkrebsarten.“
Was untersuchten die Forscher genau?
Die Studie analysierte:
470’000+ Personen der UK Biobank
DNA-Reparaturgene
UV-Exposition
Sonnenbrände
Solarien-Nutzung
Hauttyp
Haarfarbe
Sonnencreme-Verhalten
genetische Risikofaktoren
Dabei wurden komplexe Gen-Umwelt-Wechselwirkungen untersucht.
Die offizielle Erklärung der Forscher
Die Autoren versuchen die Ergebnisse unter anderem so zu erklären:
Menschen mit höherem Risiko benutzen häufiger Sonnencreme
Menschen bleiben mit Sonnencreme länger in der Sonne
Sonnencreme wird falsch angewendet
Menschen verwenden nach einer Krebsdiagnose häufiger Sonnenschutz
Doch genau hier beginnt die kritische Diskussion.
Die unbequeme Frage: Was steckt tatsächlich hinter diesen Zahlen?
Wenn eine Schutzmaßnahme in großen Bevölkerungsdaten immer wieder mit höheren Erkrankungsraten auftaucht, müsste eigentlich eine offene wissenschaftliche Debatte stattfinden.
Doch stattdessen wird Kritik an Sonnencremes oft reflexartig abgewehrt.
Dabei existieren seit Jahren Diskussionen über:
chemische UV-Filter
hormonaktive Stoffe
systemische Aufnahme über die Haut
Nanopartikel
photochemische Reaktionen unter UV-Strahlung
Vitamin-D-Unterdrückung
trügerische Sicherheit („false sense of security“)
Chemische UV-Filter im Blut nachweisbar
Mehrere Studien zeigten bereits, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Sonnencremes in den Blutkreislauf aufgenommen werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Oxybenzon
Octocrylen
Avobenzon
Homosalat
US-Behörden wie die FDA erklärten selbst, dass für mehrere dieser Stoffe zusätzliche Sicherheitsdaten notwendig seien.
Vitamin D: Der oft verdrängte Faktor
Die Studie erwähnt indirekt auch einen weiteren kritischen Punkt:
UV-Licht ist nicht „gefährlich“ – es erfüllt lebenswichtige Funktionen.
Vitamin D wird hauptsächlich durch Sonnenlicht gebildet und spielt eine wichtige Rolle für:
Immunsystem
Zellregulation
Knochenstoffwechsel
Entzündungsprozesse
möglicherweise auch Krebsabwehrmechanismen
Eine pauschale Angstkampagne gegen Sonnenlicht könnte langfristig selbst gesundheitliche Folgen erzeugen.
Korrelation ist nicht automatisch Kausalität – aber die Zahlen bleiben brisant
Wichtig:
Die Studie beweist nicht direkt, dass Sonnencreme Hautkrebs verursacht.
Aber:
Sie widerlegt eindeutig die vereinfachte Behauptung, Sonnencreme führe automatisch zu weniger Hautkrebs.
Stattdessen zeigt die größte Datenanalyse dieser Art eine massive statistische Assoziation in die entgegengesetzte Richtung.
Fazit
Die UK-Biobank-Studie dürfte die Debatte über Sonnencremes neu entfachen.
Während Politik, Medien und Werbeindustrie seit Jahren nahezu ausschließlich die Botschaft verbreiten, Sonnencreme sei ein klarer Schutz gegen Hautkrebs, zeigen die realen Bevölkerungsdaten ein deutlich komplexeres Bild.
Besonders kritisch ist:
Menschen mit dem häufigsten Sonnencreme-Gebrauch zeigten in dieser Studie die höchsten Hautkrebsraten.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Wird hier möglicherweise seit Jahren ein viel zu simples Narrativ verbreitet?
Gerade bei Produkten, die millionenfach täglich auf die Haut aufgetragen werden, wäre eine offene wissenschaftliche Diskussion wichtiger denn je.
Quellen:
Jeremian R. et al. (2023)Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention„Gene-environment analyses in a UK Biobank skin cancer cohort identifies important SNPs in DNA repair genes that may help prognosticate disease risk“
